Natur- und Vogelschutzverein

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Donnerstag, 14. April 2016

Der Oxyteich und die neu erstellten

Unkentümpel in Zünikon

Eine kleine Erfolgsgeschichte


Vom Februar bis in den April wandern jedes Jahr über 4000 Amphibien vom Fulauer Tobel zum Züniker Oxyteich hinauf. Mehr oder wenig zügig - dafür umso zielorientierter streben sie ihrem angestammten Laichplatz zu. Vor allem Erdkrötenmännchen bevorzugen die gut übersichtliche Strasse, um die ersehnlichst ankommenden Weibchen nicht zu verpassen. Aber auch viele andere Amphibien nutzen (wie wir Menschen) den praktisch hindernisfreien Zugang von A nach B.
Wäre da nur nicht der motorisierte Verkehr. Je nach Temperatur und Distanz kann die
Verweildauer der Amphibien schon mal einige Stunden auf der Strasse betragen. Auch bei nur wenig befahrenen Strassen bedeutet das den fast sicheren Tod.

Die kleine Erfolgsgeschichte beginnt im Mai 2014 mit einer Exkursion anlässlich eines von Markus Schläpfer (Präsident NVW) und mir besuchten Fachkurses Naturschutzberatung in der Gemeinde. Mit fachkundigen Experten vom Amt für Naturschutz ZH begutachten wir die wohl schönste und bestens gepflegte Hecke der Gemeinde von Ueli Hofmann, sowie eine sehr schöne und artenreiche Blumenwiese von Ueli Gamper, beide Objekte befinden sich in der Züniker Halde.
Ueli Gamper packte die Gelegenheit beim Schopf und lotste die ganze Gruppe inklusive Fachleiter zum Oxyteich, um endlich eine probate Antwort auf die Algen- und Verlandungsproblematik des Oxyteichs zu erhalten. Eine Lösung für das Problem hat er nicht erhalten - aber bei der Gelegenheit haben die Fachleute vom Kanton ein leises „uh - uh - uh“ ausmachen können. Der leise und regelmässige Paarungsruf des Gelbbauchunken-Männchens in einem für diese Amphibienart völlig untypischen Gewässer!

Das Vorhandensein einer so seltenen Art hat den Stein ins Rollen gebracht.

In den Sitzungen der Naturschutzkommission sorgten seither der Oxyteich und die Gelbbauchunken für reichlich Gesprächsstoff. Es wurden Vorschläge gemacht und Abklärungen getroffen. Sollten wir den Oxyteich aufwerten und eine für Gelbbauchunken entsprechende Flachwasserzone schaffen - oder ausbaggern, um der Verlandung entgegen zu wirken, und dabei die letzten Bestände der seltenen Art gefährden? Eine Amphibienunterführung realisieren, um die zeitintensiven Hilfeleistungen während der Wanderung zu minimieren?

Aus Kosten- oder Artenschutzgründen wurden alle Vorschläge fallen gelassen. Dies auch mit dem Wissen, dass der Weiher mit der Zeit noch mehr verlanden könnte.
Eine Sperrung der Verbindungsstrasse Zünikon-Fulau wurde nun wieder in Betracht
gezogen. Das ist mit Abstand die billigste und am einfachsten realisierbare Variante.
Die Amphibien können ohne Gefahr zum Laichgewässer wandern, der Rückweg ist im Gegensatz zum Amphibienzaun auch nicht versperrt.

In relativ kurzer Zeit wurde das Vorhaben einer provisorischen Sperrung in Absprache mit der Gemeinde Elsau realisiert. Nächtliche Kontrollgänge des Naturschutzvereins Wiesendangen zeigten schon sehr bald, dass die vielen überfahrenen Amphibien der vergangenen Jahre ausblieben. Denn trotz installiertem Amphibienzaun wanderten jährlich viele Tiere auf Fulauerseite vor dem künstlichen Hindernis über die Strasse.

In Anbetracht des geringen Verkehrsaufkommen setzen wir uns von der Naturschutzkommission und vom Naturschutzverein Wiesendangen ganz klar für eine Fortführung der nächtlichen Strassensperrung zwischen Zünikon und Fulau ein.

Die stark gefährdeten Amphibien brauchen unsere Hilfe. Helfen auch Sie mit!

Parallel zur Strassensperrung wurde an einer Lösung für die stark gefährdete Gelbbauchunke gearbeitet. Die Schaffung geeigneter Laichgewässer liess sich eigentlich nur auf der Wanderroute der hübschen kleinen Unke umsetzen. Ideale Verhältnisse haben wir in einem zum Teil steilen, mit Wasserfällen durchzogenen Gelände des Zünikerbachs gefunden.

Die Realisierung der Unkentümpel konnte dann Dank dem Einverständnis des Waldbesitzers Walter Wermuth sehr rasch umgesetzt werden. Es wurde ein Projektbeschrieb verfasst, das Kreisforstamt um eine Bewilligung ersucht, Forst- und Umgebungsarbeiten vergeben, Fachstellen informiert und um finanzielle Unterstützung angefragt - und schlussendlich Mitte März durch tatkräftige Helfer/innen des Naturschutzvereins Wiesendangen in ein ansehnliches Biotop verwandelt.

Erfreulicherweise, und doch unerwartet, liess der Erfolg nicht lange auf sich warten. Erste
Insekten und Spinnen besiedelten die Gewässer, Sumpfdotterblume und andere Blütenpracht begannen unsere Bautätigkeiten zu überdecken. Reh und Fuchs nützen das
kühle Nass als Trinkstelle und Vögel nehmen darin gerne ein Bad.
Und letzte Woche dann - die ersten Gelbbauchunken! - sie mussten sich nicht lange überzeugen lassen. Sehr zu unserem Erstaunen stellte sich auch noch eine weitere seltene Art ein - der stark gefährdete Teichmolch!

Mit vergleichsweise geringem Aufwand haben wir der Natur ein kleines Stück zurück gegeben. Manchen wird die Strassensperrung und der damit verbundene Umweg stören, doch mit ebenso geringem Aufwand helfen Sie den mittlerweilen arg dezimierten Tierarten.

Allen vielen Dank für die Unterstützung - Und tragen wir Sorge zu unserer Natur!

Silvio Bartholdi

Naturschutzverein Wiesendangen
Naturschutzkommission Wiesendangen

Der Bericht kann hier herunter geladen werden.

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